
Law in the Books vs. Law in Action: Untersuchung der Auswirkungen von Regulierungen auf die Arbeitsbedingungen im Paket- und Essensliefersektor
Es freut uns sehr, dass wir die Finanzierungszusage des Schweizerischen Nationalfonds für ein dreijähriges, interdisziplinäres Forschungsprojekt erhalten haben. Im Sommer 2026 geht es los!
Inhalt und Ziel des Forschungsprojekts:
Das Projekt beleuchtet den Paketliefer-Sektor aus einer juristischen, soziologischen und wirtschaftlichen Perspektive und wird gemeinsam mit der Universität Genf (Institut für Demografie und Sozioökonomie, Prof. Dr. Jean-Michel Bonvin) und der Berner Fachhochschule (Management Sciences, Prof. Dr. Caroline Straub) durchgeführt.
Es untersucht, wie Gesetze und Regulierungen dazu beitragen können, die Arbeitsbedingungen im Schweizer Paket- und Essenslieferdienst zu verbessern – und warum das gelingt oder gerade nicht. Diese Branche wächst stark, ist aber von tiefen Löhnen, Zeitdruck und schwierigen Arbeitsbedingungen geprägt.
Die Forschungsfrage lautet: „Unter welchen Bedingungen kann ein regulatorischer Rahmen (sowohl hinsichtlich seines Inhalts als auch seiner Umsetzungs-, Kontroll- und Sanktionsmechanismen) zu besseren Arbeitsbedingungen im Paket- und Essensliefersektor beitragen?“
Das Hauptziel ist es zu verstehen, wann verbindliche Vorgaben in der Praxis wirklich etwas verändern und welche Hürden verhindern, dass gute Regeln auch im Alltag der Fahrerinnen und Fahrer ankommen.
Neben diesem Kernziel will das Projekt ein aktuelles Bild der Arbeitsbedingungen zeichnen, aufzeigen, wie Unternehmen, Behörden und Arbeitnehmende auf neue Spielregeln reagieren, und gemeinsam Lösungen entwickeln, die faire Arbeit ermöglichen und gleichzeitig wirtschaftlich tragbar sind.
Durch die interdisziplinäre Zusammenarbeit entstehen Erkenntnisse, die nicht nur für die Lieferbranche, sondern auch für andere Bereiche der Arbeitswelt des 21. Jahrhunderts wichtig sind.
Wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Kontext
Das Projekt steht im Schnittpunkt von Arbeitsrecht, Soziologie und Wirtschaft und reagiert auf aktuelle Herausforderungen der modernen Arbeitswelt. Es untersucht, wie Regulierung und Praxis zusammenwirken – ein Thema von grosser gesellschaftlicher Bedeutung angesichts wachsender Plattform- und Lieferarbeit.
Geplantes Vorgehen
Unsere Forschung erfolgt entlang der folgenden Schritte. Zunächst wird die Grundlage für die empirische Untersuchung geschaffen: Welche Daten und welcher Stand der Forschung zum Paket- und Essensliefersektor liegen vor, d. h. wie sind die tatsächlichen Arbeitsbedingungen in diesem Sektor und wie werden sie von den zentralen Akteuren des Feldes bewertet? In diesem ersten Forschungsschritt wollen wir ausserdem herausfinden, welchen Einfluss relevante arbeitsrechtliche Bestimmungen und anwendbare Kollektivverträge auf die Arbeitsbedingungen und die Qualität der Arbeit der Beschäftigten im Paket- und Essensliefersektor haben. Zu diesem Zweck untersuchen wir zunächst die geltenden Regelungen (Gesetze und GAV) unter Berücksichtigung der Rechtsprechung; zudem beziehen wir absehbare Veränderungen ein (z. B. neue GAV, neuere Gerichtsentscheide, Rechtsreformen). Im zweiten Schritt unseres Projekts analysieren wir, wie die bestehenden und sich wandelnden rechtlichen Regelungen die Strategien der Arbeitnehmervertretungen sowie die Entscheidungen des Personalmanagements im Umgang mit Beschäftigten und die kollektiven Verhandlungsstrategien der Arbeitnehmervertretungen beeinflussen. Dies mündet in die abschliessende Phase unserer Forschung, in der wir Potenziale für Handlungsempfehlungen identifizieren.