Access to Justice in the Context of Social Inequalities
Aktuell ist KOAMI an einem Antrag an die Deutsche Forschungsgemeinschaft DFG [ https://www.dfg.de] beteiligt. Es handelt sich um ein Gesamtprojekt unter der Koordination des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung [ https://www.wzb.eu/de], welches mittels mehrerer Teilprojekte von Hochschulen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz erforscht, wie soziale Ungleichheiten den Zugang zum Recht und die Durchsetzung von Rechten beeinflussen.
Im Fokus des übergeordneten Gesamtprojekts stehen die Unterschiede zwischen formalen Rechtsansprüchen und deren tatsächlicher Umsetzung in der Praxis. Durch interdisziplinäre Forschung analysiert das Projekt, welche sozialen, institutionellen und rechtlichen Faktoren den Zugang zur Justiz fördern oder behindern. Gleichzeitig soll die sozialwissenschaftliche Rechtsforschung im deutschsprachigen Raum gestärkt werden.
Das Gesamtprojekt hat im Frühling 2026 erfreulicherweise die erste Hürde überwunden. KOAMI ist eingeladen, zusammen mit den anderen beteiligten Hochschulen einen Vollantrag einzureichen und diesen Ende 2026 dem Gutachtergremium in Berlin zu präsentieren.
Zusammenarbeit mit Gesine Fuchs von der HSLU
Unser Teilprojekt wird von Dr. Nic Frei und Prof. Dr. Gesine Fuchs von der Hochschule Luzern [ https://www.hslu.ch/de-ch/hochschule-luzern/ueber-uns/personensuche/profile/?pid=3203 ] eingereicht und betreut.
Worum geht’s in unserem Teilprojekt?
Unser Teilprojekt untersucht den Zugang zum Recht und die rechtliche Mobilisierung von Arbeitnehmerinnen auf dem Schweizer Arbeitsmarkt. Im Zentrum steht die Frage, wie bestimmte Mechanismen und institutionelle Regelungen des schweizerischen kollektiven Arbeitsrechts dazu beitragen können, individuelle Rechte wirksam durchzusetzen und den Zugang zur Justiz zu stärken. Rechtliche Mobilisierung wird dabei als Ausdruck eines funktionierenden Zugangs zum Recht verstanden und umfasst neben gerichtlichen Verfahren auch informelle oder rhetorische Formen der Rechtsdurchsetzung.
Das Projekt schliesst an ältere Forschungen zu GAV und sozialpartnerschaftlichen Institutionen an und verbindet diese mit aktuellen Entwicklungen der Arbeitswelt. Untersucht wird insbesondere, ob kollektive arbeitsrechtliche Instrumente geeignet sind, soziale Ungleichheiten zu verringern und den Zugang zum Recht zu verbessern.
Die Sozialpartnerschaft stellt einen zentralen Bestandteil des schweizerischen politischen Systems dar. Verhandlungen und Kompromisse zwischen Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite prägen traditionell die Arbeitsbeziehungen. Gleichzeitig verändern sich die Arbeitsmärkte zunehmend: Flexible und atypische Beschäftigungsformen wie Teilzeitarbeit, Arbeit auf Abruf oder Temporärarbeit nehmen zu. Diese Entwicklungen führen oft zu prekären Arbeitsverhältnissen, in denen wirtschaftliche Risiken auf Beschäftigte übertragen werden, ohne dass ausreichender rechtlicher oder sozialer Schutz besteht. Besonders betroffen sind schwach organisierte Branchen mit geringer gewerkschaftlicher Vertretung.
Vor diesem Hintergrund analysiert das Projekt kollektive Rechtsinstrumente wie Verbandsklagen oder kollektive Durchsetzungsmechanismen, die den entsprechenden Akteuren ermöglichen, Rechte geltend zu machen und auch nicht gewerkschaftlich organisierte Beschäftigte zu unterstützen. Im Fokus steht dabei das Spannungsverhältnis zwischen formellem Recht („law in the books“) und dessen tatsächlicher Umsetzung in der Praxis („law in action“). Untersucht wird, inwiefern kollektive Rechtsdurchsetzung dazu beitragen kann, strukturelle Machtungleichgewichte im Arbeitsmarkt auszugleichen und die praktische Wirksamkeit arbeitsrechtlicher Schutzrechte zu stärken.
Kommentar zum Mitwirkungsgesetz (MitwG), erschien im Juli 2025 beim Stämpfli-Verlag.
Kommentar zum Bundesgesetz über die Allgmeinverbindlicherklärung von Gesamtarbeitsverträgen (AVEG), erscheint 2027 beim Stämpfli Verlag
Im Rahmen der Vorlesung Kollektives Arbeitsrecht werden Studierende mit diesem faszinierenden wichtigen Rechtsgebiet konfrontiert, beschäftigen sich intensiv mit einem spezifischen GAV und führen Interviews mit den jeweiligen Sozialpartnern.