Universität Basel
Juristische Fakultät

Life Sciences und Rechtswissenschaft

Unter dem Begriff der Life Sciences werden die Wissenschaften zusammengefasst, die sich mit Prozessen oder Strukturen von Lebewesen beschäftigen. Life Sciences zeichnen sich aber auch durch einen starken Anwendungsbezug aus, umfassen daher auch Technologien. Life Sciences-Recht ist also Wissenschafts- und Technikrecht. Es betrifft den Einsatz und die Behandlung von Lebewesen. Der Einsatz von Lebewesen (Biotechnologie) hat sich mit dem Aufkommen der Gentechnik zu einer der Schlüsseltechnologien für die Zukunft entwickelt. Die Behandlung von Lebewesen (Medizin, Veterinärmedizin und Pflanzenschutz) profitiert auch von den modernen Methoden der Biotechnologie. Von wirtschaftlicher Bedeutung sind die Life Sciences für die Medizin sowie für die Pharma-, Agro- und Chemieindustrie.

Das Recht hat im Umgang mit den Life Sciences und ihrer Anwendung sowohl die Aufgabe der Innovationsförderung als auch die Aufgabe, Sicherheit und ethische Grenzen im Umgang mit Innovationen zu wahren. Neben dem Recht des geistigen Eigentums (Immaterialgüterrecht) und dem Lizenzvertragsrecht umfasst das Life Sciences-Recht spezifisches Sicherheitsrecht, ethisch motivierte Regelungen und Haftungsrecht.

Die Universität Basel hat in ihrer Strategie zur Entwicklung 2007 bis 2013 u.a. als Faktoren erfolgreicher Life Sciences definiert: 

  • die Förderung der begleitenden Risikoforschung und Technologiefolgenabschätzung
  • einen zielgerichteten Dialog innerhalb der Universität betreffend gesellschaftlichem Gewinn der Grundlagenwissenschaften und der naturwissenschaftlich-medizinischen Forschung
  • die Respektierung ethischer Grenzen

Im Bereich der Innovationsförderung setzen rechtliche Regelungen wichtige Investitionsanreize für Forschung und Entwicklung. Dies spielt gerade im Bereich der Life Sciences eine wichtige Rolle, da es sich häufig um investitionsintensive Forschungs- und Entwicklungsbereiche handelt. Neue Technologien im Bereich der Life Sciences stellen auch das Recht vor Herausforderungen: Wie bereits die Gentechnik wirft beispielsweise die Nanotechnologie besondere patentrechtliche Fragen auf. Auch die Verbreitung von Innovationen wird durch das Recht gefördert, indem dieses durch die Schaffung übertragbarer Rechte einen Markt für Innovationen schafft, gleichzeitig aber auch dafür sorgt, dass es auf diesem Markt nicht zu Wettbewerbsbeschränkungen kommt.

Die Festlegung und Durchsetzung ethischer Grenzen stellt eine Aufgabe des Rechts dar, die beim Einsatz und bei der Behandlung von Lebewesen besonders zum Tragen kommt. Der dynamische Bereich naturwissenschaftlicher Forschung wirft hier viele grundlegende Grenzfragen für die Gesellschaft und jeden Einzelnen auf, die auch einer rechtlichen Antwort bedürfen. Damit verknüpft sind die Verhinderung von und die Haftung für Schäden, die durch die Anwendung von Life Sciences entstehen. Das Spektrum reicht von der in der Fortpflanzungsmedizin oder der Stammzellforschung gestellten Frage nach dem Beginn menschlichen Lebens (das unter besonderen Rechtsschutz zu stellen ist) über Probleme der Transplantationstechnologie und der Forschung am Menschen (einschliesslich der rechtlichen Relevanz von Ethikkommissionen) bis hin zur Problematik der Sterbehilfe und -begleitung. Manche dieser Fragen sind bereits seit langem Gegenstand juristischer Forschung und Auseinandersetzung (etwa bei den Grundrechten der Bundesverfassung, im Arzthaftungsrecht, im Medizinstrafrecht oder im Heilmittelvertriebsrecht) und werden unter den Gesichtspunkten von Menschenwürde, Diskriminierungsverbot und Autonomie bzw. Einwilligung ausführlich erörtert. Manche andere Fragen werden erst in jüngerer Zeit diskutiert und sind noch nicht ausreichend untersucht (etwa rechtliche Probleme der Nano- und Stammzellforschung sowie die Frage nach einem internationalen Rechtsanspruch auf Zugang zu bestimmten Medikamenten). 

Das Recht der Life Sciences ist weder in der Forschung noch in der Lehre ein traditionelles Rechtsgebiet. Es handelt sich vielmehr um eine neue Antwort auf die einerseits wachsende rechtswissenschaftliche Spezialisierung und das andererseits gestiegene Bedürfnis der Praxis nach einer an Geschäftsfeldern orientierten querschnittartigen Verknüpfung der traditionellen Rechtsgebiete. Zugleich trägt das Life Sciences-Recht aber auch dem rechtswissenschaftlichen Bedürfnis nach einer dogmatisch einheitlichen Erfassung der rechtlichen Aufgaben von Innovationsförderung und Innovationsbegrenzung Rechnung.

Dem Recht der Life Sciences können vor allem die folgenden Rechtsgebiete (ganz oder teilweise) zugeordnet werden:

  • Patent- und Markenrecht
  • Sortenschutzrecht
  • Lizenzvertragsrecht
  • Kartellrecht
  • Gesundheits- und Medizinrecht
  • Heilmittelrecht inkl. Werberecht
  • Gentechnikrecht
  • Umweltrecht
  • Lebensmittelrecht
  • Tierschutzrecht
  • Personenrecht
  • Technikhaftungsrecht
  • Arzt- und Arzneimittelhaftungsrecht
  • Medizinstrafrecht
Letzte Änderung: 25.07.2013

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